Digitaler Zeitkapitalismus – Wenn ständige Beschäftigung seelisch belastet

Wenn „busy sein“ zur inneren Pflicht wird

Sie haben das permanente Gefühl, nie genug zu leisten und sind dennoch chronisch erschöpft, fühlen sich überfordert? In einer Gesellschaft, in welcher die ständige Beschäftigung als Erfolg gilt, entsteht schnell innerer Druck. Besonders soziale Medien verstärken das Gefühl, mithalten zu müssen und das obwohl Körper und Geist bereits Symptome aufzeigen, die einen Mangel an Ruhe und Entspannung signalisieren.


Leben unter permanenter Bewertung

Likes, Followerzahlen und andere Rückmeldungsindikatoren haben längst „Kurs auf unser Selbstwertgefühl“ genommen. Apps, die Schritte zählen oder Schlaf analysieren und uns erinnern, wann das nächste Glas Wasser getrunken werden muss, wirken verführerisch lassen uns jedoch nach einiger Zeit unter dem permanenten Gefühl der Kontrolle und Beobachtung zurück. Permanenter Vergleich von Kindesbeinen auf, fördert Stress, Erschöpfung und Selbstzweifel, treibt bereits Kinder regelmäßig zum „Body bilden“ und sorgt ganz nebenbei für noch geringere qualitativ hochwertige Eigenzeit.


Das eigene Leben optimieren – und sich dabei verlieren

Unser Leben möglichst interessant, effektiv und „vozeigbar“ zu gestalten, ist das neue Ziel unserer digital gestützten Freizeit. Der Wunsch nach Anerkennung ist menschlich, das Zugehörigkeitsgefühl wird gestärkt. Problematisch wird es, wenn Pausen, Unvollkommenheit und echte Bedürfnisse keinen Platz mehr in unserem Leben zu haben scheinen. Wieder in Kontakt mit dem eigenen Erleben zu kommen ist eines der primären, therapeutischen Ziele, welchem wir uns widmen müssen.


Beschleunigung macht krank

Wer das Gefühl hat, ständig funktionieren zu müssen, lebt in dauerhafter Anspannung. Dieses „hart arbeiten, hart konsumieren, hart entspannen“ führt langfristig unweigerlich zu Erschöpfung, Schlafproblemen oder psychosomatischen Beschwerden. Innezuhalten und neue, gesündere Umgangsweisen mit Zeit und Ansprüchen zu entwickeln soll eines der Ziele sein, welche eine Psychotherapie verwirklichen kann.


Leistungsdruck beginnt früh

Kinder wachsen in vielen Familien mit der Frage auf: „Was willst du einmal werden?“ Es entwickelt sich bereits in jungen Jahren das Gefühl, nur dann wertvoll zu sein, wenn man etwas leisten kann. In der Familientherapie geht es darum, diesen Druck zu erkennen und Kindern (und sich selbst) das Recht auf Entwicklung zuzugestehen, bei welcher die ständige Bewertung ausbleiben darf.


Zeitarmut, Care-Tätigkeiten und emotionale Erschöpfung

Unbezahlte Care-Arbeit, Mehrfachbelastungen und fehlende Anerkennung führen zu chronischem Stress. Besonders Eltern berichten in der Beratung von dem Gefühl, kaum noch Zeit für sich selbst zu haben. Dabei ist geschützte Eigenzeit keine Nebensache, sondern die Voraussetzung für psychische Stabilität und Gesundheit.


Eigenzeit als therapeutisches Thema

In der Therapie können sie erlernen, sich bewusst Raum für sich selbst zu nehmen und die Gefühle, welche dabei aufkommen, Schritt für Schritt außen vor zu lassen. Kinder profitieren davon, wenn sie erleben, dass ihre Tätigkeiten nicht ständig unterbrochen werden. So entsteht ein gesundes Verständnis von Grenzen, Selbstfürsorge und innerer Ruhe.


Therapie als Ort der Entschleunigung

Lassen sie uns gemeinsam schauen, wie Sie es schaffen, aus dem „Mehr, schneller, besser“ auszusteigen. Die Psychotherapie bietet einen sicheren Rahmen, um Belastungen zu reflektieren, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und neue Wege im Umgang mit Zeit, digitalen Medien und Leistungsansprüchen zu finden.


Lebenserfahrung versus frühes Familie sein

In einer Gesellschaft, die Erfahrungen messbar machen will durch Reisen, Karriere, Selbstverwirklichung, gilt ein langes, ereignisreiches Leben als das „neue“ Ideal. Gleichzeitig zeigen Langzeitstudien, dass viele gemeinsam verbrachte Jahre in stabilen Beziehungen und in Familie für uns Menschen einen als höher empfundenen Lebenswert haben als eine lange Abfolge individueller Lebenserfahrungen wie Karriereaufstieg, Hausbau oder Statusgewinne.

Gerade das frühe Erleben von Zugehörigkeit, Bindung und gemeinsam verbrachter Zeit wirkt sich demnach nachhaltig auf unsere seelische Stabilität aus. In der therapeutischen Arbeit wird deutlich, wie sehr fehlende oder unter Zeitdruck erlebte Beziehungserfahrungen später nachwirken können, ebenso wie tragende, verlässliche Bindungen uns stärken und schützen.


Sich selbst wieder begegnen

Mentale Gesundheit entsteht durch echte Verbindung zu mir selbst und durch Verbindung zu anderen Menschen. Vielleicht ist jetzt ein guter Moment, innezuhalten und sich Unterstützung zu erlauben.